Dorfchronik

Das Gemeindewappen

Gemeindewappen Bad Häring

Beschreibung: Von Gold und Blau gevierter Schild mit Kanne auf den Plätzen 1 und 4 und gekreuzten Hämmern auf den Plätzen 2 und 3 in vertauschten Farben.

Farben der Gemeindefahne: Gelb-Blau

Begründung des Wappens: Das Wappen erinnert mit den Hämmern an den einstigen Kohlebergbau und weist mit den beiden Kannen auf die heutige große Bedeutung Bad Härings und seines Heilbades als Kurort hin.

Die Dorfgeschichte: Unser Weg von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zur Ernennung zum ersten und einzigen Tiroler Bäderkurort mit Schwefelheilquelle.

Am Fuße des Großen Pölven liegt oberhalb von Wörgl und Kirchbichl auf einem sonnigen Plateau auf 630 m Seehöhe der Kurort Bad Häring, zu dem die Ortsteile Osterndorf, Dorf und Schönau gehören.ame Häring – ursprünglich Hering – wurde 1180 erstmals urkundlich erwähnt und weist auf die bajuwarische Landnahme zurück. Der Heimatforscher Hans Bachmann schrieb, dass Häring seinen Namen einem Vasallen der herrschenden Aribonen namens Heri, d. h. Krieger, verdankt, der hier mit seinen Gefolgsleuten einen großen Fronhof errichtete, der den Namen seines Begründers erhielt und später als Lebensgrundlage für die im 9. Jahrhundert errichtete aribonische Eigenkirche diente. Durch Güterteilungen ging der Hofname Hering auf den Kirchweiler und im 16. Jahrhundert auf das ganze Dorf über. In der Urzeit entstanden im Raum Häring Bodenschätze, deren Nutzung in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts einsetzte und die wirtschaftliche Struktur des Bauerndorfes grundlegend änderte: Häring wurde vom Bauerndorf zum Bergbauort. In der Triaszeit entstand der Wettersteinkalk des Großen Pölvens, in der Oberkreidezeit bildeten sich durch Sedimentablagerungen die verschiedenen Mergelschichten und im Alttertiär entstanden die Kohlenflöze, die sich vom Lengauer Tal bis ca. 500 m unter die Innsohle in Kirchbichl erstreckten.

Im Kohlebergwerk

Im Jahre 1766 entdeckte der Brixlegger Bergknappe Jakob Weindl das Kohlenflöz im Lengauer Tal und fast zwei Jahrhunderte prägte der Kohlenabbau das Wirtschaftsleben im Dorf. Auf der Suche nach einer Möglichkeit die Brände in den Stollen einzudämmen, wurde im 19. Jahrhundert der Zement entwickelt: 1838 brannte der damalige Bergschaffer Gottfried Unterberger (erstmals auf europäischem Boden) aus Häringer Mergel Zement.

Dem Zementpionier Alois Kraft, der 1854 im Lengauer Tal einen Mergelsteinbruch erwarb und in zwei Öfen Romanzement erzeugte, gelang die Herstellung eines Zements, der qualitativ dem englischen Portlandzement gleichkam. Somit gilt Alois Kraft als Begründer der österreichischen Portlandzementindustrie.

Der staatliche Kohlenbergbau wurde 1942 eingestellt, 1945 auf genossenschaftlicher Basis wieder aufgenommen und 1956 endgültig geschlossen, weil es in den Stollen immer wieder zu Bränden kam.

Auch die Zementindustrie gibt es mittlerweile nicht mehr: Bis 1997 wurde bei den Perlmooser Zementwerken in Kirchbichl das Rohmaterial aus Bad Häring zu Zement gebrannt und gemahlen. Seit der Betriebseinstellung ist Bad Häring Kalk- und Mergellieferant für die Rohrdorfer Zementwerke, ohne an der Weiterverarbeitung und Wertschöpfung beteiligt zu sein.

Damit der erhöhte Abbau am Pölven und am Paisselberg die Landschaft nicht zu sehr beeinträchtigt, wird wieder begrünt. Diese Maßnahme entspricht den Voraussetzungen, die einem Kurort entsprechen. In den letzten fünfzig Jahren hat sich Häring nämlich vom Bergbau- zum Kurort entwickelt.

Bohrturm 1951

Bei einer Schurfbohrung im Niederholz – auf der Suche nach Kohle – wurde 1951 die Schwefelquelle angebohrt und erschlossen.

Heilquelle im Jahr 1955

Nach mehreren Analysen erwies sich die Schwefelquelle als hochwertiges Heilwasser und wurde 1953 von der Tiroler Landesregierung zur Heilquelle erklärt.

Von 1958 bis 1988 wurden in dem von der Gemeinde errichteten Kurhaus Bad- und Trinkkuren zur Behandlung chronisch-rheumatischer Erkrankungen und Bandscheibenschäden verabreicht.

In Anerkennung für die bedeutenden Heilerfolge änderte die Tiroler Landesregierung am 15. Juni 1965 den Ortsnamen auf Bad Häring und in dem 1974 verliehenen Gemeindewappen werden die für den Ort typischen Gegebenheiten symbolisch dargestellt: die gekreuzten Hämmer für den Bergbau und der Krug für das Schwefelheilwasser.

Nach 30 Betriebsjahren brachte die Gemeinde ihr Vermögen am Kurhaus in die Kurzentrum Ges. m. b. H. & Co KG ein, die an Stelle des Kurhauses ein modern eingerichtetes Kurzentrum mit Hallenbad, Sauna, Kneippanlagen und Dampfbad sowie einen Hotelbetrieb mit 200 Betten errichtete, das 1989 seinen Betrieb aufnahm.

In zwei Baustufen wurde das Kurzentrum 1995 und 2000 erweitert, sodass es nun über 292 Zimmer mit 408 Betten, Tagesklinik und Facharztordinationen, zwei Veranstaltungssäle, Kältetherapiekammer, Freischwimmbecken mit Grotte usw. verfügt. 2001 wurde die Kurkapelle eingeweiht, 2002 der Kurpark.

Nach umfangreichen Messungen wurde Bad Häring 1996 zum ersten Kurort Tirols erhoben.

Ein zweites gesundheitliches Zentrum stellt das Rehabilitationszentrum der

Österreichischen Unfallversicherung dar, wo seit 1973 Querschnittgelähmte, Amputierte und Unfallgeschädigte mit geringeren Verletzungen medizinisch, psychisch und sozial behandelt und betreut werden.

Die enorme wirtschaftliche Entwicklung seit dem 2. Weltkrieg wird an der Zahl der Gebäude sichtbar: Von 210 Häusern stieg die Zahl auf mittlerweile 640 an.

Dabei handelt es sich um Wohnbauten als Einfamilienhäuser oder Wohnanlagen sowie um Gewerbebetriebe und Gastgewerbebetriebe:

Zu den Leitbetrieben zählen die Zimmerei Unterrainer, die Tischlerei Hecher, Rabl Technology (Maschinenbau) sowie die Gastgewerbebetriebe VIVEA Gesundheitshotel Bad Häring (ehemals Kurzentrum), Hotel Panorama Royal, DAS SIEBEN, Hotel Gasthof Schermer und Gasthof Franziskibad.

In Bad Häring wohnen ca. 3000 Menschen auf einer Fläche von 9,28 km².

Fotonachweis (3): Dorfchronik Bad Häring